Meine liebe Daisy

Frankieboy
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Liebe Daisy!

Heute auf den Tag genau vor unfassbar langen 20 Jahren hast du auf besonders traurige Weise dein erst fünfjähriges Leben beenden müssen. In meinem Leben gab es mehrere Katzen und alle habe ich in lieber Erinnerung und jetzt habe ich mit dem Fridolin einen tierischen Freund, wie ich ihn mir besser nicht wünschen könnte. Trotzdem wirst du immer einen besonderen Stellenwert haben.

Du warst Opfer von Tierquälern und kamst in ein Heim. Dann bist du in einer Familie gelandet, wo du nach einer Woche entfernt wurdest, weil die Kinder böse auf dich waren - du hast dich immer versteckt und wolltest nicht spielen. Zu mir hättest du kurzfristig für ein, zwei Wochen kommen sollen. Da bist du dann geblieben.

Du warst 14 Monate bei mir. Du hattest keinen Spielgefährten und warst alleine mit mir. Zwei Monate dauerte es, bis du dich mit mir angefreundet hast. Das dafür in einer Intensität, die mich heute noch berührt.

Gekommen bist du in einer Zeit zu mir, die sich als eine der schlimmstem meines Lebens erwies. Ich konnte nicht mal auf mich selbst aufpassen und habe damals nicht erkannt, dass ich auch auf dich nicht aufpassen konnte. Ich war krank, ohne Arbeit, mit dem minimalen Einkommen blieb fast nichts. Du hast oft nur gerade soviel bekommen, dass du nicht verhungert bist. Und in deiner Toilette hattest du Sägespäne statt Streu, weil ich das nicht bezahlen konnte. Wenn ich wieder depressiv in der Gegend herumhing, warst du viel alleine und hast mir ins Bett gepinkelt. Dafür habe ich dich in meiner unsäglichen Dummheit bestraft, weil ich die Zusammenhänge nicht erkannt habe.

Irgendwann habe ich dann begonnen, dir Futter zu klauen und dann ging's dir wenigstens da gut. In den letzten drei Monaten ging es aufwärts. Plötzlich gab es einen Job, einen Platz in der dazugehörigen Pendler-WG, wo wir am Wochenende immer alleine waren. Ich habe dich jeden Tag ins Büro mitgenommen und irgendwann bist du einfach mal mitgegangen neben mir zum Postamt und zur Bank. Über die Straße trug ich dich, sonst gingst du neben mir oder lagst über meinen Schultern. Man kannte dich und auf Post und Bank gab's immer ein Leckerli für dich. Du bist total aufgeblüht. Du warst mit mir eine Woche in Vorarlberg, als ich dort kurzfristig arbeiten musste. Dann kamst du für ein paar Tage mit zu meiner Oma und später warst du nochmal kurz in Kärnten. Da warst du ganz aufgeregt und das Autofahren störte dich nicht.

Unsere WG-Mitbewohner lachten uns immer aus und machten Späße, die sie lustig fanden. Sie zogen dir ein weißes Kleidchen an für unsere Hochzeit. Männer können echt blöd sein, vor allem angetrunken. Da ich mich mit denen nie ansoff und ihre Späßchen mitmachten, wurde ich ziemlich übel behandelt, aber das musste ich wegstecken.

Kurz vor deinem Abschied verliebte ich mich plötzlich ganz heftig und an deinem letzten Wochenende hast du wenig von mir gesehen. Am Tag vor deinem Tod haben wir noch Pläne gemacht und ich habe ein Inserat geschalten für einen Platz in einer katzenfreundlichen WG und an der Uni was ausgehängt. Ich habe dir versprochen, dass alles besser wird.

Am nächsten Tag ging ich ins Kino und als ich zurückkam, da lagst du tot vor meiner Zimmertüre. Die beiden supermännlichen Mitbewohner haben dich aus Jux in der Badewanne ertränkt und mir mein Beileid zum Witwerdasein ausgesprochen. Ich habe mir die alleinige Schuld gegeben, heute weiß ich, dass es vermutlich einfach an einem anderen Tag passiert wäre.

Mir tut es noch immer weh, dass du zu jenen Lebewesen zählen musstest, die es irgendwie nie schaffen, länger ein annehmbares Leben zu führen und nichts dafür können. Es tut mir weh sagen zu müssen, dass es dir vermutlich im Tierheim besser ergangen wäre, als an meiner Seite. Geblieben ist bis heute das mir selbst gegebene Versprechen, mich nur dann eines Tieres anzunehmen, wenn ich in der Lage bin, für es zu sorgen, es zu verstehen und den Alltag mit ihm zu teilen. Bei dir ist mir das nur sehr bedingt geglückt. Vermutlich bist du darum auch noch immer so präsent. Ich habe mich mit der damaligen Zeit ausgesöhnt, aber du bist geblieben - auch als eine Art Mahnung, wie es nicht geht. Deine Zuneigung und Loyalität trotz deiner schwierigen Zeit bei mir, hat dazu beigetragen, die Gefühle und Freundschaft eines Tieres auf ganz neue Weise schätzen und zurückgeben zu können. Jetzt ist der Fridolin hier, der vollkommen traumatisiert zu mir kam und sich dann prächtig machte. Ich sah ihn als eine Art zweite Chance und älter, verantwortungsbewusster geworden, hat es diesmal geklappt.

Liebe Daisy, kleine Maus, ich habe keinen meiner Fehler vergessen, von denen mir kaum einer bewusst war, aber trotz allem möchte ich keine Minute missen, die wir zusammen verbracht haben.

Das war jetzt alles ziemlich kitschig, nicht?

Ich werd dich nie vergessen!

Dein Frank
danim1703
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Hallo

... bin noch ganz platt von dieser unsagbar traurigen Geschichte! Ich muss das erst mal verdauen.
Mutig, so etwas zu veröffentlichen, Hut ab. Das kann als Mahnung für andere dienen, die vielleicht in einer ähnlichen Situation sind, wie Du es warst.

Ich bin wirklich noch ganz... wortlos...

Wünsche Dir und Fridolin alles Gute und hoffe, dass Du mit oder trotz oder gerade wegen dieser Fehler in der Vergangenheit nun einfach besser leben kannst.

Grüße
Dani
bbraatz
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Ebenfalls "Hallo"

Eine schlimme, mutig vorgetragene Geschichte, aber beileibe nicht kitschig!
Wnnn Dani und ich "nur" beim Lesen noch mitleiden nach 20 Jahren, wie muss es Dir selbst heute noch gehen?
Man ist nicht immer stolz auf das, was man getan oder unterlassen hat. Schlimm, wenn ein eigentlich geliebtes Wesen leiden muss.

Doch Du hast Deinen Fehler bereut, und Daisy wird es hinter dem Horizont irgendwie spüren...
Fridolin und Du, lieber Frank, haben nun alle Chancen dieser Welt, was vielleicht auch für ein zukünftiges Kätzchen gilt.

Ich wünsche Euch alles erdenklich Gute.

Grüße von Birgit
brigittebeusch
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Ich zieh den Hut vor Dir, lieber Frank, dass Du diese traurige Geschichte veröffentlicht hast. Ich kann Dich gut verstehen, dass Dich das alles auch nach so langer Zeit noch beschäftigt.

Wir machen alle einmal Fehler, aber nicht alle stehen dazu.

Alles Gute für Dich und Deinen Fridolin
danim1703
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Beiträge: 110
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Man ist nicht immer stolz auf das, was man getan oder unterlassen hat. Schlimm, wenn ein eigentlich geliebtes Wesen leiden muss. Doch Du hast Deinen Fehler bereut, und Daisy wird es hinter dem Horizont irgendwie spüren... <


Birgit: das hast Du einfach nur wunderbar geschrieben und ich bin mir sicher, dass Daisy das genau so empfindet. Nennt mich dumm, nennt mich naiv, nennt mich weltfremd, nennt mich wie immer ihr wollt: aber ich glaube ganz fest daran, dass wir alle uns eines Tages wiedersehen..... und ich bin FEST überzeugt, dass dieses Wiedersehen ein GUTES Wiedersehen ist, mit ganz viel Liebe und Vergebung und Freude! Menschen UND Tiere! Und es wäre mir persönlich wohler zumute, wenn noch viel mehr Menschen so denken würden. Denn wenn ich weiß, dass ich im (Leben nach dem) Tod jedem, egal ob Tier oder Mensch, wieder gegenübertreten werde, dann verhalte ich mich im Leben so, dass es ein schönes Wiedersehen wird! Und ich bin heilfroh, wenn ein Mensch, der sich falsch verhält, dieses Fehlverhalten dann doch erkennt und künftig anders lebt!

Uijuijui.... ziemlich abgehoben? Mag sein *schulterzuck*... aber so bin ich nunmal

Und Frank: Du brauchst ein Wiedersehen mit Daisy garantiert nicht fürchten! Alles Liebe Dir und Fidolin
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